New Work: New Break. Wie sich die Architektur der Pausenraumgestaltung wandelt.

Von Christa Schwandtner, 12.06.2019

„Manchmal braucht man eine kleine Pause, da­mit man die Dinge anders betrachten kann.“ Diese und viele ähnliche Sprüche zieren die bunten Kalender in den Büros. Wieviel Wahr­heit hinter diesen „Sprüchen zum Nachdenken“ steckt, ist jedoch nicht immer allen Mitarbeitern bewusst.

Pausen sind ein wichtiger und notwendiger Bestandteil unserer Leistungsbereitschaft. Wer seinem Körper und seinem Kopf regelmäßig etwas Ruhe gönnt und die Akkus auflädt, kann sich besser konzentrieren und verhindert Gedankenstarrheit. Wichtig dabei ist, die Pausenzeit anders zu verbringen als die Arbeitszeit. Also weg vom Arbeitsplatz! Und hier beginnt es etwas komplizierter zu werden, denn häufig fehlt das geeignete Raumangebot. Wir zeigen Ihnen einige Möglichkeiten auf, Regeneration räumlich zu gestalten.

 

Der Pausenraum wird zum Café.

Der klassische Pausenraum wird zum Working Café und stellt einen beruhigten Rückzugs- und Begegnungsbereich dar. Dabei erhebt das Working Café auch seinen kreativen Anspruch an die Innenarchitektur und die Einrichtung. Hier ist Platz für ein gemeinsames Lunch, und es gibt diverse Möglichkeiten, um sich zurückzuziehen und in Ruhe einen Kaffee zu trinken.

In Kombination mit Bartresen und Teeküche verliert das Working Café die Ausstrahlung eines klassischen Pausenraumes im Büro. Wer mit den Eigenschaften der vorgegeben Räumlichkeiten spielt und die Art der Möblierung individuell anpasst, kann so den größtmöglichen Nutzen erzielen. Sanfte Abschirmungen mit Paravents oder Fadenvorhängen ermöglichen einen Rückzug. Raumteiler können sowohl ansprechend für das Auge als auch als Stauraum nützlich sein.

Das Working Café wird von den Mitarbeitern auch für das Arbeiten zwischendurch gerne gewählt. Manche Menschen suchen bewusst belebtere Orte wie Cafés oder Restaurants auf, um dort entspannt zu arbeiten.

© Regnauer Fertigbau & Co. KG, Vitalbüros Seeon-Seebruck

 

Die Kantine: ein Raum für alle.

Nicht neu, aber ein wichtiger Ort der Regeneration ist die Kantine. Vor allem größere Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern kostengünstiges Essen in einem dafür eigens eingerichteten Betriebsrestaurant an. Die Kantine trägt neben ihrer Primärfunktion der „Verpflegung“ auch zur Erholung und zur Förderung der sozialen Kommunikation bei. Mit Würstl und Pommes ist es dabei nicht mehr getan. Vor allem Millennials fordern nachhaltiges und gesundes Essen. Die Qualität des Essens, die Gestaltung des Raumes und die Einrichtung einer Kantine stellen unweigerlich die Wertschätzung des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern dar.

Doch die Kantine kann noch mehr: Mit einem flexiblen Raumkonzept lässt sich der Speiseraum für Mitarbeiter-Events, Schulungen oder sogar für Vorträge umorganisieren. Durch bewussten Einsatz von Farben, Materialien, Licht, Raumklima und Möblierung werden schlichte Kantinen zu „multitasking-fähigen“ Lebensräumen.

© Fill Gurten: Bauherr: Fill Gurten – www.fill.co.at Architektur: Matulik – www.matulik.at; Foto: www.raumpixel.at

 

Mittelzonen im Mittelpunkt.

Den unterbelichteten Mittel- und Randzonen in den Bürogebäuden wurde bisher kaum Beachtung geschenkt. Moderne Büroplanung nimmt sich dieses Themas nun verstärkt an. Begegnungszonen gewinnen dabei an Bedeutung. Diese können aktiv gestaltete Treffpunkte mit Entspannungscharakter zum spontanen Gedankenaustausch werden. Immer noch haben Arbeitgeber häufig Bedenken vor zu viel Gemütlichkeit und sinkender Effizienz. Studien belegen jedoch das Gegenteil: Attraktiv gestaltete „zufällige“ Begegnungszonen wirken sich positiv auf den Arbeitsalltag aus. Kurzer informeller Gedankenaustausch mit Kollegen kann die Produktivität steigern.

Bei der Gestaltung von Mittelzonen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Je nach Möglichkeit und Platz können diese Bereiche zu Lounges, Rückzugsnischen und Spielplätzen mit Schaukeln und Tischfußball werden. Egal, wie unkonventionell die Bereiche gestaltet sind, Ziel ist es, die Mitarbeiter näher zusammen zu bringen. Die Innenarchitektur kann diese aufgelockerte, zwanglose Atmosphäre unterstützen.

© Ford Motor Company Limited, UK

Acitivity Garden und Besprechungen im Freien.

Außenräume und Natur haben einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Eine Studie von Interface über Arbeitnehmer in Europa beweist, dass das Wohlbefinden und die Produktivität um etwa 13 Prozent steigen, wenn das Arbeitsumfeld über natürliche Elemente verfügt. Daher beziehen Unternehmen und Architekten immer mehr auch den Outdoorbereich mit ein. Ein angelegter Garten ist ideal für bewegungsorientierte Freizeitaktivitäten und auch für „Walk & Talk“-Meetings. Wer sich nicht inmitten von Grün befindet, kann auch eine Terrasse oder einen Wintergarten anlegen. Architektonisch interessant gestaltet mit ruhigeren und belebteren Zonen, können Pausenzeiten, der Feierabend, sowie Besprechungen unter freiem Himmel stattfinden.

© gettyimages

 

Neues Arbeiten bedeutet auch, neue Wege zur Regeneration zu finden. Ständige Erreichbarkeit erfordert auch Plätze, an denen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Die Pausen der Mitarbeiter dürfen auch im Meer der Agilität nicht aus den Augen verloren werden.

Zusammenfassend kann man Räume zur Regeneration als ein Spiegelbild der Unternehmenskultur betrachten. Sie vermitteln damit auch eine Botschaft nach außen: Die Qualität ihrer Gestaltung zeigt die Wertschätzung des Unternehmens gegenüber Mitarbeitern und Gästen. Eines sollten diese Zonen aber unbedingt: Zur Unternehmenskultur passen, sonst wirken sie aufgesetzt und werden nicht genutzt.

 

Foto Header: 
Bauherr: Koenig & Bauer AG
Konzept / Entwurf / Umsetzung: archicult – breunig architekten
Fotograf: Peter Becker GmbH

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