Der Home-Office Check: Standards, Richtlinien, Gesetze.

Von Christa Schwandtner, 04.11.2020

Gerade noch war der Küchentisch mit Brot, Marmelade und Kaffee gedeckt, ist er auch schon zum Bürotisch umfunktioniert – der Kaffee bleibt. Die meisten Mitarbeiter haben sich an das Home-Office gewöhnt. Was sich viele schon viel früher gewünscht haben – aber oftmals abgelehnt wurde – ist durch die Corona-Pandemie schlagartig zum neuen Alltag geworden.

Nun, da die Menschen teilweise wieder ins Büro zurückkehren, häufen sich die Diskussionen: weiterhin Home-Office – ja oder nein? Für die dauerhafte oder alternierende Übersiedlung in das Heimbüro gibt es noch viele offene Fragen, die für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu klären sind: Wie beeinflusst die Heimarbeit die Produktivität und welche Aufgabenbereiche wären besser im Büro angesiedelt? Wie sieht es mit den gesetzlichen und finanziellen Regelungen aus, die langfristig beantwortet werden müssen?

 

Home-Office: Gesetzliche Regelung?

Grundsätzlich gilt: Weder ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, Home-Office zu bewilligen, noch ist der Arbeitnehmer dazu gezwungen, im Home-Office zu arbeiten. Diese Form des Arbeitens ist immer ein gemeinsamer Entscheidungsprozess. Die vereinbarten Rahmenbedingungen werden im Arbeitsvertrag festgehalten. Wichtig dabei ist, dass auch die neue Arbeitsadresse – nämlich die Wohnadresse ergänzt wird.

 

Equipment und Finanzierung

passenden Werkzeug für das Home-Office und dessen Finanzierung an erster Stelle. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, für die geeignete IT-Hard- und Software zu sorgen. Wer bisher mit einem Stand-PC im Büro gearbeitet hat, tut gut daran, auf einen Laptop zu wechseln und das Heimbüro gegebenenfalls mit einem zusätzlichen Bildschirm auszustatten. So kann flexibel zwischen Büro- und Heimarbeit gewechselt werden. Was sonst noch benötigt wird – vom Drucker über Collaborations-Tools bis zum Netzwerkzugang via VPN – ist zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu klären.

Hingegen ist der Arbeitgeber derzeit noch nicht für die Anschaffung von Bürostuhl, Schreibtisch und Stauraum zuständig. Stellt der Arbeitgeber das Mobiliar dennoch zur Verfügung, muss es den ergonomischen Mindestanforderungen entsprechen, die auch für die Arbeit im Büro gelten. Diese Investition empfiehlt sich durchaus, um gesundheitlichen Beschwerden vorzubeugen und Krankenstände zu vermeiden.

Ein weiterer Punkt sind die zusätzlichen Kosten für Strom oder Internet. Hierzu gibt es bislang keine Regelung.

 

Gesetzliche Regelungen für die Arbeitszeit

Grundlegend gelten dieselben Arbeitszeiten wie im Büro. Das bedeutet, dass die Wäsche und der Gang zum Bäcker zwischendurch als Pausen in der Arbeitszeit zu berücksichtigen und keine bezahlte Arbeitszeit sind. Voraussetzung dafür ist die Vereinbarung von flexiblen Pausen.

Das gilt im Umkehrschluss natürlich auch für den Feierabend und die Urlaubszeit, in der die Mitarbeiter nicht dazu verpflichtet sind, E-Mails zu beantworten, selbst wenn der Laptop griffbereit neben der Couch liegt. Derartige Rufbereitschaften müssen mit dem Arbeitgeber extra verhandelt und im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Hilfreich kann es sein, sich zu Arbeitsbeginn in einem System einzuloggen oder sich im Gruppenchat an- und abzumelden, um so seinen Anwesenheitsstatus bekannt zu geben.

 

Datensicherheit

Um die Sicherheit der firmeninternen Daten zu gewährleisten, bedarf es eines Leitfadens und der Initiative von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das Unternehmen muss klare Richtlinien und Verhaltensregeln für den Umgang mit Firmendaten aufsetzen und für eine sichere Internetverbindung sorgen. Der Arbeitnehmer hat dafür zu sorgen, dass Daten nicht nach außen gelangen. Das bedeutet, dass Familienmitglieder und Besucher keine Möglichkeit bekommen dürfen, einen Blick auf den Bildschirm zu erhaschen. Schriftstücke sind sorgfältig aufzubewahren, damit sie vor neugierigen Augen, klebrigen Kinderhänden oder verspielten Haustieren in Sicherheit sind.

Umgekehrt ist es dem Arbeitgeber nicht gestattet, Kontrollsysteme oder Software zur Überwachung des Computers, zu installieren. Home-Office kann nur durch gegenseitiges Vertrauen funktionieren.

 

Entscheidungsprozess sowie Aus- und Weiterbildung

Home-Office-Mitarbeiter werden bei Themen wie Aus- und Weiterbildung manchmal vergessen. Das Thema ist jedoch für sie genauso wichtig wie für Mitarbeiter, die ihre Arbeitszeit im Büro verbringen. Durch die Corona-Pandemie haben vor allem Online- Kurse und Online-Schulungen an Bedeutung gewonnen, da diese von zu Hause aus absolviert werden – ohne Reise- und Übernachtungskosten.

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